JULI 2012 – Ein kleiner Baustein der großen Geschichte

Seit Monaten beschäftigt die deutsche Öffentlichkeit die Untersuchung der politisch motivierten Morde an meist türkischen Kleinunternehmern. Die Mörder entstammen einer Vereinigung, die sich Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nennt. Die Hauptfigur des historischen Nationalsozialismus war Adolf Hitler.

monat juni 2012Im Bestand der Gemeinde Flarchheim (Archivsignatur 10-8) findet sich ein vertraulicher Befehl Adolf Hitlers vom 26. Juni 1943 an alle Behörden des Reiches:

„Der Führer wünscht, in Zukunft im innerdeutschen Verkehr durchweg also auch in Gesetzen, Erlassen und Verordnungen, ausschließlich als `Der Führer´ bezeichnet zu werden.“ Im formellen [Brief]Verkehr mit dem Ausland wird die Bezeichnung `Führer des Großdeutschen Reiches´ Pflicht. (…) „Als Anrede sollen Deutsche ausschließlich die Anrede `Mein Führer´, Ausländer die Anrede `Führer´ gebrauchen.“ Weiterhin verfügt Hitler, im amtlichen Sprachgebrauch statt „Deutsches Reich“ die Formulierung „Großdeutsches Reich“ zu verwenden. Die Mitteilung endet mit dem Befehl: „Eine Veröffentlichung dieses Rundschreibens in Gesetz- und Verordnungsblättern sowie durch Presse und Rundfunk hat zu unterbleiben.“

Die Bedeutung dieses Befehls ergibt sich aus seiner zeitlichen Einordnung in folgende Ereignisse.

Am 27. November 1941 erklärte der Führer dem dänischen Außenminister: "Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug sei, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen stärkeren Macht vernichtet werden." Der Führer nahm also den Untergang des deutschen Volkes billigend in Kauf. (Zitat nach Hitlergespräche. „An sich vernichtet“. Der Spiegel 13/1967, S.90)

Wie kein anderer Herrscher der Geschichte besaß Adolf Hitler persönliche absolute Macht über den Deutschen Staatsapparat, die Wehrmacht und über jeden einzelnen Deutschen. Diese Rechte wurden Hitler vom Reichstag am 26. April 1942 verliehen. (Vgl. Reichsgesetzblatt 1942 I S. 247) Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde diese Macht direkt oder indirekt brutal durchgesetzt. Dazu fanden sich willige Helfer. Selbst die Deutschen, die Hitler als ihren Führer anerkannten, galten für Hitler nur so lange als lebenswert, wie sie für seine Welteroberungsphantasien taugten.

Anfang Januar 1943 wird die Lage der bei Stalingrad eingeschlossenen 6. Armee der deutschen Wehrmacht aussichtslos. Vorräte und Soldaten sind am Ende. In Kenntnis dieser Tatsache befiehlt Hitler am 8. Januar 1943 der 6. Armee: "Verbiete Kapitulation! Die Armee hält ihre Position bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone und leistet durch ihr heldenhaftes Aushalten einen unvergeßlichen Beitrag zum Aufbau der Abwehrfront und der Rettung des Abendlandes." Die 6. Armee kapituliert trotzdem Ende Januar. Die Wehrmacht verliert über 250.000 Mann durch Tod oder Gefangenschaft. Für Nazi-Deutschland war der Krieg nicht mehr zu gewinnen. (Zitat nach Stern online. 28.11.2003, 09:54 Uhr)

Am 18. Februar 1943 verkündet der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels den „totalen Krieg“ in seiner berüchtigten Rede im Sportpalast vor namentlich geladenem Partei-Publikum. Wer wann zu rufen und zu klatschen hatte, war einstudiert. Ein Teil des Beifalls kam vom Tonband. Goebbels selber bezeichnete die Ereignisse im Sportpalast während seiner Rede als „Stunde der Idiotie“. (Vgl. Der Spiegel 46/1967)

Vier Monate später folgt der eingangs genannte Befehl Hitlers an jeden Deutschen, ihn „Mein Führer“ zu nennen und gegenüber dem Ausland als „Großdeutsches Reich“ aufzutreten. Täglich wurde das Großdeutsche Reich kleiner, die Front rückte immer näher an Deutschland heran.

Am Ende steht die Bilanz: Der zweite Weltkrieg trieb durch Kampfhandlungen und zivilen Terror mehr als 50 Millionen Menschen in den Tod und stürzte damit auch ebenso viele Familien ins Unglück. Jeder Tote hat zumindest Eltern. Die Opfer starben in Angst und unter Schmerzen: erschossen, verblutet, zerfetzt, vergast, erfroren, verhungert, vergewaltigt, verreckt.

Auf deutscher Seite starben etwa vier Millionen Soldaten sowie 1,65 Millionen Zivilisten. Dazu kommen etwa eine Millionen Deutsche, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Oft ungezählt blieben die Opfer der Bombardierung ganzer Städte sowie die lebenden und toten Opfer von Flucht und Vertreibung. (Zahlen laut Deutsches Historisches Museum in Berlin, 2012)

Diese fast sieben Millionen Deutsche führte der Führer und sein real existierender Nationalsozialismus in Qualen, Untergang und Vernichtung. Wer heute noch mit dem Nationalsozialismus sympathisiert, der muss sich an den Opfern messen lassen.

Michael Zeng

Das Team des Kreisarchives dankt der Pressestelle des Landratsamtes für die Unterstützung sowie Herrn Volker Mock vom Bürgerservice für die technische Umsetzung der "Zeitzeichen" sowie der "Archivalie des Monats".

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