JUNI 2013 - Die Ereignisse des 17. Juni 1953

Regina Hornischer - Die Ereignisse des 17. Juni 1953 in den Kreisen Mühlhausen und Bad Langensalza
mit Beiträgen von Klaus Meier und Franziska Dietzel

monat juni 2013In der Reihe "Archivalie des Monats" erinnere ich an ein Buch, das die Ereignisse von damals in unserem Kreis lebendig werden lässt. Auch wenn ich selbst die Autorin bin, so soll es keine Werbung zum Selbstzweck sein!


Anlass für die Buchvorstellung ist der 60. Jahrestag der Volkserhebung in der DDR gegen die damaligen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Dieser Tag gibt Anlass, über die Zeit nachzudenken, in die dieses Ereignis fiel.

Welche Ursachen führten zu diesem Aufstand, wie verlief er und welche Ziele verfolgte und erreichte er? Wie lautet das Ergebnis? Und vor allem: Gab es in unserer Region auch Aktivitäten?

Antworten auf diese Fragen suchte ich schon in Vorbereitung des 50. Jahrestages.

Die Spurensuche führte mich zu Archivunterlagen der SED-Bezirksleitung Erfurt, der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei, zu personenbezogenen und persönlichen Unterlagen von Teilnehmern des Aufstandes und zu Zeitzeugen. Die gefundenen Antworten fasste ich zu einem Buch zusammen, welches von der Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR im Jahre 2003 herausgegeben und am 30.01.2004 im Ständesaal des Kreishauses vorgestellt wurde.

Der Leser erfährt neben einer Einführung in die allgemeine politische und wirtschaftliche Situation um den 17. Juni etwas über die Besonderheiten in der Unstrut-Hainich-Region. In Mühlhausen erhoben sich die Bauern und in Bad Tennstedt war es ein Fuhrunternehmer, also ein Vertreter des Mittelstandes, der die Initiative ergriff. Das gilt als Besonderheit, denn woanders waren die Arbeiter die Hauptakteure.

Zur Bauerndemonstration in Mühlhausen hatte der Bauer Kurt Eisenhardt aus Bollstedt aufgerufen. Er selbst hatte erst am Morgen des 17. Juni ein 11-Punkte-Programm ausgearbeitet - Forderungen nach Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die dem Kreisrat nach der Kundgebung auf dem Untermarkt überbracht wurden. Anschließend wurden Gefangene aus dem Gerichtsgefängnis befreit.

Die Tennstedter Forderungen ähnelten denen von Mühlhausen und wurden auch erst am Nachmittag des Aufstandes vom Fuhrunternehmer Lux formuliert, von einem Maler auf Transparente geschrieben und am Abend während eines Demonstrationszuges durch die Stadt getragen. Hier beteiligte sich, ähnlich wie im thüringischen Eckolstädt, ein Pfarrer an der Demonstration. Nur, dass er hier Beteiligter und nicht der Initiator war.

Ergänzend zu meiner Quellenauswertung erfährt der Leser persönlich Erlebtes von Klaus Meier, heute Ehrenbürger von Mühlhausen, damals Schüler der Erweiterten Oberschule in Mühlhausen (heutiges Tilesius-Gymnasium) und vom Bauern Werner Stallkecht aus Langula, aufgeschrieben von seiner Enkelin Franziska Dietzel. (Franziska Dietzel gewann dafür beim Geschichtswettbewerb der Körber-Stiftung 2003 einen Textpreis.)


Das Buch ist sozusagen ein Gemeinschaftswerk gegen das Vergessen, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da es weitere gesellschaftliche Bereiche gibt, wie Kirche, Junge Gemeinde und Schule, die aus Zeitgründen unberücksichtigt blieben.

Empfohlen sei es allen, die sich für die Geschichte unserer Heimat interessieren.

Einzelne Exemplare sind noch kostenlos über das Archiv des Unstrut-Hainich-Kreises zu bekommen.

Regina Hornischer

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