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Kaffee, Kuchen, Oral History und ganz viel Heimatgeschichte

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1. Heimattag des Kreisarchivs Unstrut-Hainich-Kreis bringt Heimatforscher, Chronisten und Archivare zusammen

Die Stimmung im Café Schikore in Mühlhausen glich einem Klassentreffen – auch wenn sich viele der rund 30 Teilnehmenden zuvor gar nicht kannten. Doch eines verband sie alle: das Gespür für Heimatgeschichte und die Leidenschaft für die Arbeit an ihren Ortschroniken. Anlass des Treffens war der 1. Heimattag des Kreisarchivs des Unstrut-Hainich-Kreises, der am Freitag, dem 17. Oktober 2025, stattfand. Eingeladen waren Ortschronisten, Heimatforscher und Heimathistoriker, die eng mit dem Kreisarchiv zusammenarbeiten. Dazu kamen Vertreter der anderen öffentlichen Archive des Kreises.

Kreisarchivar Michael Zeng begrüßte die Gäste herzlich und dankte ihnen für ihr Engagement bei der Erforschung und Bewahrung der Geschichte der Region. „Der Heimattag ist von uns für euch eine Form der Anerkennung und der Weiterbildung zugleich“, betonte er. Das Format sei eine Weiterentwicklung der früheren Ortschronistentreffen – mit dem Ziel, den Austausch zu vertiefen und das Netzwerk der Heimatforschung im Kreis zu stärken.

In seinem Vortrag erinnerte der studierte Historiker und Archivar daran, was in einem öffentlichen Archiv gefunden werden kann: „Hauptsächlich amtliches Schriftgut von historischen Herrschaften und deren Verwaltungen.“ Dazu gehörten Urkunden, Verwaltungsakten und andere amtliche Dokumente. „Dass in Archiven hauptsächlich amtliches Schriftgut zu finden ist, war schon bei den Pharaonen im Alten Ägypten so  und das bleibt auch nach der Digitalisierung so“, erklärte Zeng. Archive sollen und möchten Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft bewahren.

Doch amtliches Schriftgut erzähle nur die halbe Geschichte, so der Archivar. „Das Wissen von privaten Menschen oder Vereinen geht meist verloren. Deshalb sei es wichtig, auch sogenanntes nichtamtliches Schriftgut zu sammeln: Chroniken, Festschriften, Vereinsunterlagen, Schulmaterialien, Briefe, Erinnerungsbücher oder Tagebücher. Diese sogenannten Selbstzeugnisse bewahren Wissen und Informationen, die nicht von der Verwaltung erfasst wurden.

Mit Nachdruck rief der Kreisarchivar dazu auf, solche Dokumente und Erinnerungen zu sammeln und sie auch dem Kreisarchiv zugänglich zu machen. „Schreiben Sie auf, was Zeitzeugen erzählen. Das muss keine Literatur sein“, sagte Zeng. Wichtig sei, das mündliche Wissen zu sichern. Der Fachausdruck lautet englisch „Oral History“, also Erzählte Geschichte. Die Oral History beschäftigt sich mit Umgang und Auswertung von erzählten Erinnerungen.

Zeng bot an, solche Aufzeichnungen im Kreisarchiv zu hinterlegen. Jeder, der das tut, könne festlegen, wann und wie die Unterlagen öffentlich zugänglich gemacht werden. Für den Umgang mit persönlichen Dokumenten und Daten gebe es klare Regelungen im Thüringer Archivgesetz: „Daran kann man sich orientieren“, erklärte der Kreisarchivar.

„Wir vom Kreisarchiv sind begeistert von euch und finden es toll, was ihr macht. Es ist oft so, dass sich nicht alle dafür interessieren – aber ihr macht es trotzdem. Dafür bewundern wir euch und euer Engagement“, lobte Zeng die Anwesenden und sorgte damit für zustimmendes Nicken im Saal.

Nach dem inhaltlichen Teil genossen die Gäste Kaffee und Kuchen und tauschten sich über ihre Arbeit aus – über das Sammeln von Wissen, die Pflege von Chroniken und die Herausforderungen, Geschichte lebendig zu halten. Die Mitarbeitenden des Kreisarchivs standen dabei für Fragen zur Verfügung.

Das Kreisarchiv des Unstrut-Hainich-Kreises ist das öffentliche Archiv des Landratsamtes und zuständig für alle Kommunen, die kein eigenes öffentliches Archiv haben. Zum Heimattag waren auch Vertreter der Stadtarchive Bad Langensalza und Mühlhausen sowie des Archivs der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt eingeladen. Alle öffentlichen Archive im Kreis unterliegen dem Thüringer Archivgesetz.

Mit dem 1. Heimattag hat das Kreisarchiv ein neues Forum geschaffen, um ehrenamtlich Engagierte und Fachleute der Geschichtsforschung zusammenzubringen. Ein Tag voller Gespräche, Ideen – und ganz viel Heimatgeschichte.