Der Abend machte deutlich, wie groß der Bedarf an Austausch, Vernetzung und politischem Dialog im regionalen Mittelstand ist.
Für den festlichen Rahmen sorgte auch das Jugendblasorchester Nägelstedt, das den Abend musikalisch eröffnete. Später begeisterte auch Bernd Klinkhardt mit seinem Auftritt.
In ihrer Eröffnung machten die beiden Mühlhäuser Unternehmer Matthias Oßwald und Robert Böhm deutlich, worum es der Mittelstandsgruppe geht: Verantwortung für den gesamten Unstrut-Hainich-Kreis. „Sie alle sind wichtige Gäste – wir alle stellen den Unstrut-Hainich-Kreis dar. Nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir eine positive Zukunft gestalten“, betonte Oßwald.
Gleichzeitig wurden die aktuellen Herausforderungen klar benannt. Die kurz zuvor angekündigte Betriebsschließung eines Automobilzulieferers in Mühlhausen zum März 2027 sei eine Hiobsbotschaft – und kein Einzelfall. Hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten, zunehmende Bürokratie sowie die Auswirkungen des Mindestlohns, insbesondere im Handel und im produzierenden Gewerbe, setzen viele Betriebe spürbar unter Druck.
Entstanden aus Protest – gewachsen zur Stimme des Mittelstands
Die Mittelstandsgruppe entstand vor zwei Jahren im Umfeld der Bauern- und Mittelstandsproteste. Aus Unzufriedenheit, wachsendem Druck und dem Gefühl fehlender politischer Wahrnehmung entwickelte sich ein Zusammenschluss, der heute deutlich macht: Landwirtschaft ist kein Sonderfall, sondern integraler Bestandteil des Mittelstands.
Der Tenor des Abends war eindeutig: Starke Wirtschaft, starke Gesellschaft, starke Kommunen und ein starker Landkreis gehören untrennbar zusammen. „Wir sind nicht hier, um Trübsal zu blasen“, stellte Oßwald klar. Gerade in schwierigen Zeiten komme es darauf an, gemeinsam Optimismus zu entwickeln und Dinge zu bewegen. Die Mittelstandsgruppe sei kein „Nice-to-have“, sondern eine notwendige Stimme.
Klartext aus der Kommunalpolitik
Inhaltlich knüpfte Thomas Ahke in seinem Grußwort nahtlos an diese Punkte an. Der Landrat stellte Zusammenhalt, Verantwortung und Handlungsfähigkeit in den Mittelpunkt und machte deutlich, dass wirtschaftliche, gesellschaftliche und finanzielle Herausforderungen unmittelbar zusammenhängen.
Ahke warnte vor einem Freiheitsverständnis nach dem Motto „ich zuerst“. Freiheit sei niemals nur „Freiheit von“, sondern immer auch Verantwortung für die Gemeinschaft. „Wenn Freiheit nur noch als Ich-zuerst verstanden wird, wird aus Freiheit Egoismus – und Egoismus frisst Vertrauen“, so der Landrat. Demokratie lebe nicht allein von Regeln, sondern von Haltung, Respekt und der Bereitschaft, andere Meinungen auszuhalten.
Den Mittelstand würdigte Ahke ausdrücklich als wirtschaftliches, gesellschaftliches und kulturelles Fundament des Landkreises. Er schaffe nicht nur Arbeits- und Ausbildungsplätze, sondern stifte Heimat und Stabilität. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer dächten nicht in Wahlperioden oder Quartalszahlen, sondern in Generationen, hielten Standorte auch in schwierigen Zeiten und engagierten sich im Ehrenamt – in Vereinen, Feuerwehren und im Sport.
Mit Blick auf konkrete Entwicklungen, wie die angekündigte Betriebsschließung eines Unternehmens in Mühlhausen und weitere betroffene Arbeitsplätze, machte Ahke deutlich, dass wirtschaftliche Entscheidungen immer Menschen und Familien träfen. Sein klares Fazit: „Der beste soziale Schutz ist Arbeit.“ Politik dürfe die Wirtschaft deshalb nicht als Randthema behandeln, sondern müsse verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und mehr Planbarkeit ermöglichen.
Zugleich verwies der Landrat auf die angespannte Haushaltslage von Kommunen und Landkreisen. Sparsame Haushaltsführung sei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Handlungsfähigkeit um in Schulen, Infrastruktur, Katastrophenschutz und die kommunale Leistungsfähigkeit investieren zu können. Kommunen und Kreis seien dabei eine Schicksalsgemeinschaft.
Auch Hausherr Matthias Reinz richtete einen klaren Appell an politische Entscheidungsträger, die kommunale Ebene bei diesen Herausforderungen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Ein Höhepunkt des Abends war der Gastvortrag von Mario Suckert, der in Vertretung der Thüringer Wirtschaftsministerin Colette Boos-John sprach. Beeindruckt zeigte er sich vor allem von der Rekordbeteiligung, die belege, dass Unternehmer Vernetzung suchen und von der Politik Antworten erwarten.
Einen sportlichen Akzent setzte anschließend Erik Schreyer, Trainer des Post SV Mühlhausen gemeinsam mit Geschäftsführer des Post SV Mühlhausen Thomas Stecher mit ihrem Vortrag „Tischtennis und Mittelstand – Spitzensport und Wirtschaft in unserem Landkreis“. Schreyer zog Parallelen zwischen Leistungssport und Unternehmertum.
„Verlieren Sie gerne? Niemand tut das. Aber Niederlagen gehören dazu. Warum fallen wir? Damit wir lernen, wieder aufzustehen“, sagten Thomas Stecher und Erik Schreyer.
Der Post SV Mühlhausen, der einzige ostdeutsche Verein in der 1. Tischtennis-Bundesliga und ein Verein mit rund 300 Mitgliedern, stehe für Demut, Dankbarkeit und kontinuierliche Entwicklung. Der Verein verstehe sich als Anlaufstelle für Integration, Kinder- und Jugendarbeit sowie den Damen- und Herrensport – vom sechsjährigen Anfänger bis zum internationalen Spitzenspieler. Langfristiges Ziel sei es, ein Leistungszentrum als Leuchtturm für Tischtennis in Ostdeutschland aufzubauen.
„Die Reden sind Nebensache – ihr seid heute im Mittelpunkt“, brachte Matthias Oßwald den Geist des Abends auf den Punkt. Entsprechend stand die Vernetzung im Vordergrund: neue Kontakte, neue Impulse und ein klarer Appell für mehr regionalen Handel – „Gönnt euren Nachbarn das Geschäft.“
Auch soziales Engagement fand Raum: Für den Verein For Life e. V. konnte eine Spende in Höhe von 1.000 Euro übergeben werden.
Das Fazit des Abends war klar: Ein starker Mittelstand bedeutet Zukunft – für Beschäftigte, für junge Menschen in Ausbildung und für einen Landkreis, der nicht nur verwaltet, sondern gestalten kann. Der Abend hat gezeigt: Die Bereitschaft ist da. Jetzt kommt es darauf an, dass Politik, Unternehmer und Gesellschaft diese Stärke nicht bremsen, sondern ermöglichen.
Ein herzlicher Dank gilt der Mittelstandsgruppe Unstrut-Hainich für die hervorragende Organisation dieses Abends.








